"Warum lächelst du nie, Momo?" fragte mich Monsieur Ibrahim.
Diese Frage traf mich wie ein Faustschlag ins Gesicht, ein Tiefschlag, auf den ich nicht vorbereitet war.
"Lächeln ist nur was für reiche Leute, Monsieur Ibrahim. Das kann ich mir nicht leisten."
Sicher um mich zu ärgern, fing er an zu lächeln.
"Meinst du vielleicht, ich bin reich?"
"Sie haben doch immer Scheine in der Kasse. Ich kenne keinen, der den ganzen Tag so viele Scheine sieht."
"Aber die Scheine brauche ich um die Ware zu bezahlen und die Miete. Am Monatsende, weißt du, bleiben nicht allzu viele davon übrig."
Und er lächelte noch mehr, als wollte er mich ärgern.
"M'sieur Ibrahim, wenn ich sage, dass Lächeln nur was für reiche Leute ist, dann will ich damit sagen, dass es nur was für glückliche Leute ist."
"Na, das irrst du dich aber. Es ist das Lächeln, das glücklich macht."
ERIC-EMMANUEL SCHMITT, MONSIEUR IBRAHIM UND DIE BLUMEN DES KORAN